Hart an der Grenze, oder: So samma nie gfoarn.

Navi sagt 220km, 16,5 Stunden Reisezeit

Nach rund 280 Kilometer, je nach Tacho, sind wir wohlbehalten in der Pension Retro, passend für uns, in Vrbovec im tschechischen Grenzgebiet eingetroffen. Für die, die sich jetzt so gar nicht auskennen fangen wir ganz von vorne an.

Epilog:

Im Jahr 2019 haben wir eine Rumänienreise geplant um wiederetwas offroad zu fahren, sowie Land und Leute kennenzulernen.

Was dann kam, wissen alle, die nicht die letzten Monate in der Kühltruhe verbracht haben: Covid 19

Umso später es wurde – also nicht die Uhrzeit, sondern die Tage, Wochen und Monate, wurde es immer knapper zur geplanten Abreise. Na guad, wir bleiben in Österreich, aber wohin? Wir haben 14 Tage eingeplant, geht das in Österreich? Uns wird schon was einfallen…

Doch was machen wir? Inschinör schlägt vor, dass wir eine Österreichrundreise, so nah wie möglich an der Grenze entlang, fahren. Er wurde mit der Planung – weil er ist der Routenplaner schlechthin – auserkoren, die Route zu planen. „So nah wie möglich an der Grenze“ heißt jetzt nicht die B49 hinauf nach Hohenau, sondern echt so nah an der Grenze wie möglich!!! Hart an der Grenze.

Die Grenzlandtour, oder: 4200km im Grenzbereich

4 Echte: Inschinör als Road Captain, Präsi, Vize, Enzo und 2 Langzeitfreunde des PSV Koks und Günta.

 

5. Sept 2020, Tag 1

Es war 07:45 Uhr als sich die Grenzlandtourbiker am G-weg zusammenfanden und den traditionellen Aufbruchskaffee mit Keksen aufnahmen. Sabina, Navi und Kassier Roman verabschiedeten uns standesgemäß. Um an die Grenz zu kommen, fuhren wir einfacherweise die B9 bis Hainburg a.d.Donau. Der Kreisverkehr ist unser Startpunkt. Links über die Donaubrücke und danach rechts in den Nationalpark. Manche Navis zeigten gleich mal einen weißen Untergrund. Inschinör hat eine offroad-Karte am Navi

Koks, der ja als Bluter medikamentös eingestellt ist, hat erklärt, dass wenn ihm eine Gelse sticht, diese sofort stirbt, da sie mit Blut sofort aufgeblasen wird und zerreißt wie ein Luftballon, wie wenn ihn jemand mit zu viel Power aufbläst. Am besten geht dies, wenn der Bluter auch noch Bluthochdruck hat, dann macht die Gelse auch ein hörbares „Plopp“. Diese Gelsen hat es früher ja nicht gegeben, dass ist eine sogenannte Wohlstandsgelse.

 

In Hohenau an der March brachen wir aus dem Dickicht heraus und haben uns beim einzigen Wirten des Ortes ein Frühstückskaffeetscherl mit einem großen Sozi geholt. Zum Kaffee gabs ein Keksi dazu, dass weder Günta, Meuli oder Präsi, auch mit aller einsetzbaren Kraft, des deppate Zellophan nicht zerreißen konnten. Inschinör musste aushelfen, der mit ohne Anstrengung das Plastik aufriss. Die Lacher waren alle bei beim Präsi, der sich hier besonders angestrengt hatte und auch gleich zum „Hilfsingenieur“ erkoren wurde. „Scheiß Plastik“.

Danach ging es wirklich so eng wie möglich an der Grenze entlang. Die March und die Thaya sind einfach die Außengrenzen. Weiter geht’s nimma, sunst miaßt ma schwimma!

 

 

Eigentlich hat der Inschinör ein Quartier in Mikulov gebucht, aber dort sind wir, entgegen aller Berechnungen des Navis, viel zu früh. Na guad, wir fahren weiter. Durch die Topologie und die Grenzziehung, die die „Alten“ damals beschlossen haben, gibt’s fast immer am Ende jeden Ackers einen Grenzbegleitweg für die Agrarwirtschaft. Perfekt, rechts von uns die Grenze zur Slowakei und Tschechien, links Österreich. Viele Grenztaferl mit Hinweisen zur Staatsgrenze. Die Äcker schauen links und rechts eigentlich gleich aus, aber es gibt Wege die „halbwegs“ befahrbar sind.

 

 

 

Das größte sind die Begeisterungsschreie über die Helmsprechanlagen. Am grasbewachsenen „Feldweg“ hört man „hundart kaemha“ – i eh a (ich ohnehin auch) – „hundartzwangz geht a!!“

Das Hotel in Mikulov stornieren wir online, brauch ma nimma, weil schon weiter. In Laa an der Thaya auf der Tankstelle befragt Inschinör booking.com ob eines Quartiers Nähe Znaim. Gleich nach der Grenze waren online in einem Hotel am Vormittag noch Zimmer frei, jetzt nimma ☹. Die weitere Suche ergibt zwei Doppel- und ein Vierbettzimmer a bissal weiter nach der Grenze. Angerufen, nachgefragt, „i muaß nochschaun“, „wiad scho passn 😊“. Booking.com verspricht eine einfache Pension mit Restaurant, mehr brauchen wir nicht! Angekommen in der „Pension Retro“, Nomen est Omen, eingecheckt, sofort Bier bestellt, die auch gleich kommen. Duschen, nächstes Bier, Essen bestellt, gegessen, Getränke, blöd reden, noch mehr blöd reden und ins Bett – Uhrzeit?

Ein herrlicher Tag, nie geglaubt dass man in Österreich so viel „legal“ offroad fahren darf, genial!

Morgen sagt der Wetterbericht Regen an, schau ma moi…

Interessant waren auch die anderen Gäste, die sich einen ordentlich hinter die Binde gegossen haben. Die Rote hatte so um die 9 Bier, Kriagln wohlgemerkt, der auch anwesende Bob der Baumeister, ein Hackler mit Latzhose konnte nur noch gebückt stehen, aber die haben dann noch miteinander getanzt – ohne Musik.

 

 

6. Sept 2020, Tag 2

Frühstück gegen 8:30. Die Rote von gestern hatte entweder schon wieder ein Bier oder noch eins von gestern und prostete uns zum Frühstück freundlich mit einem Krügerl zu. Kaffee gabs auch aber entweder Löskaffee oder Türkischen. Die Meisten nahmen freiwillig einen Tee, nur Präsi gönnte sich einen Türkischen. Es regnete, also starteten wir im Regengewand. Die Vorschläge wie es weitergehen soll waren verschiedenster Art. Wir haben uns entschlossen nach Norden unter der Wetterfront durchzugleiten und bei Inschinörs Papa Julius im Haus zu übernachten. Start im Hotel Retro, über Bundesstraßen nach Jihlava, kurzes Stück Autobahn bis Humpolec und nach Recice, dort steht das Wochenendhaus von Papa Julius. Gepäck runter und nach einem Getränk erkundeten wir die Gegend. Einmal rund ums Haus, also den Feldweg nach rechts und gleich mal das Moped artgerecht gehalten. Die Spurrinnen waren ziemlich tief und voll mit Wasser. Yes, das geht. Das Umrunden des Grundstücks dauerte doch etwas und dann gings über kleine Straßen weiter bis nach Kutna Hora wo die schöne Barbara Kirche steht.

Weiter nach Lipnice nad Sázavou, dort trafen wir uns mit Julius Papa im Gasthaus Hasek, wo Jaroslav Hasek damals den braven Soldaten Schwejk geschrieben hatte. Nach der Empfehlung aßen wir eine Knoblauchsuppe und ein Hasekgulasch. Echt gut. Nach dem Essen fuhren wir noch eine Runde um die zufällig danebenliegende Burg. Weiter gings nach einer weiteren Stunde Umgebung erkunden zur Tankstelle, wo sich etwas ergeben hat. Für jene, die sich nicht komplett verwirren lassen wollen lest unten weiter….

 

 

Hier die Kurzfassung. G muss tanken. Die Tankstelle befindet sich in einer Senke rechts der Straße. Die Reihenfolge der Gruppe, von vorne nach hinten, war J,P,M,K,G,E. J, P und M fahren an der Abzweigung vorbei, sehen aus dem Augenwinkel aber die Tankstelle. P zu J via Funk „da war eine Tankstelle“, „hab ich gesehen, wir fahren um den nächsten Block“. E hört das und sagt zu J, P und M via Funk, „ich fahre gleich runter“ und biegt ab. J, P und M sehen im Rückspiegel wie K und G an der Abbiegung stehen bleiben weil E ja fehlt. J, P und M sehen wie G und K umdrehen um E zu suchen, wissen ja nix von unserem Funkgespräch weils keinen Funk haben. Die beiden glühen zurück in die Richtung aus der wir gekommen sind um E zu suchen, G fährt aber gleich wieder zur Tankstelle ab, Benzinlevel ist zu gering, K glüht weiter um E zu suchen, der aber von G auf der Tankstelle gefunden wurde 😊
Zwischenzeitlich trifft M auch an der Tankstelle ein und bestätigt über Funk E und auch G gefunden zu haben. J und P treffen nun auch ein und fragen wo den K ist – G sagt „der sucht den E, der aber eh da steht.“ P beschließt aufzubrechen und schnell K zu suchen der ja den E sucht, der aber da ist. J und G tanken, und als J vom Zahlen zurückkommt sieht er K auf der Tankstelle. „wo bistn du jetzt her? Hast den P gesehen, der ist dich suchen?“ „Nein“.

So, nun bricht J auf um P zu suchen und düst in die Richtung von der wir ursprünglich kamen. Nach zwei Ortschaften dreht er um, der P wird schon kommen, und fährt zurück zur Tankstelle wo zum großen Glück G, K, M und E beisammenstehen.
P drehte am Quirl und fuhr etwa 10 bis 12km zwei Ortschaften zurück und dachte sich, „so weit ist K sicher nicht gefahren“ und dreht um.

 

Hier weiterlesen…Die Geschichte war bis am Abend das Spaßthema schlechthin. In der Ortschaft fuhren wir zum Billa und kauften noch Frühstück für den nächsten Morgen ein. Beim Penny kaufte J noch drei Plastikgschirrln, denn er hat ein Lokal mit Kuttelflecksuppe gesehen, wo er gleich 5 Portionen kaufte. In der Casa Julius eingetroffen, chillen, Kamin einheizen, umziehen, Spritzer trinken, blöd reden, J schmiert und spannt noch seine Kette, völliges Unverständnis bei den Kardanfahrern. Tageskilometerleistung 292km.

 

 

 

7. Sept 2020, Tag 3

Selbstgemachtes Frühstück am Adlerhorst und wir satteln die Hengste. Auf direktem Weg zurück nach Kleinhaugsdorf und rechts abbiegen auf den nächsten Feldweg. Uiiii, die Erde ist aber tief, es hat ja fast zwei Tage durchgeregnet. Der Kosk hat die falsche Reifenwahl getroffen, zu wenig Negativanteil, das Profil innerhalb von Sekunden voll mit Gatsch. Er müht sich im Sitzen durch den Dreck, aber Spaß machts ihm nicht. Es ist wie wenn du zu einer Schießerei mit einem Taschenmesser kommst, falsche Wahl…

Wir verlegen eher auf Radwege, geschotterte Wegerl ohne Erdanteil und Nebenstraßen, immer so nahe wie möglich der Grenze entlang. Teilweise fahren wir wirklich auf der Grenzlinie, manche Wege verlaufen genau dort. Die Umgebung wechselt von Weinreben auf Wald, untrügerisches Zeichenm, dass wir das Viertel gewechselt haben. In Dobersberg suchen wir uns was zum Essen. Fünf Dosengulaschsuppen und da Koks nimmt Fleischlaberl, beide Sachen eigentlich nicht gut. Wir kommen in Gegenden die noch niemand von uns bereist hat, verlassene Gehöfte, vereinsamte Gasthöfe, aber Wald und Umgebung gibt’s ohne Ende.

Wir kommen am nördlichsten Wirtshaus von Österreich vorbei und wissen genau; da war ma schon mal. Wo wir noch nicht waren, ist die nördlichste Sternwarte Österreichs. Hier haben wir eine kurze Pause gemacht ehe es weiterging. Nördlichster Golfplatz inLitschau, die zugleich die nördlichste Stadt Österreichs ist. Erwähnenswert sind auch die Kühe am ersten Stock. Klingt komisch, ist aber so. Inschinör hat ein Quartier in Tschechien rausgesucht, 20km Anreise hinter der Grenze, aber geografisch nur 2km hinter der Grenzlinie. Das vermeintlich romantische Waldhotel stellt sich als lokale Bierschenke ohne wirklichem Wirtshaus vor, das weder €uronen noch Kreditkarte nimmt, aber einen Preis von 30% über dem Preis von booking.com aufruft, nein danke. Wir fahren ein Stück zurück, das nächste Hotel hat aber geschlossen. Mit Handy, Internet und Navi wird nach einer Übernachtungsmöglichkeit gesucht, Weitra, Hauptplatz, Gasthof Hentsch bietet Doppelzimmer und ein Gasthaus. Nach 18km sind wir da, beziehen Zimmer und Essen gut – alles gut.

Vizes neue Freundin

Es ist spät, Präsi grunzt schon. Vize kann nicht schlafen. Im Nebenzimmer spielt ein Fernseher extrem laut, noch dazu Opern oder so irgendwas. Er springt auf, geht am Gang und klopft an der vermeintlichen Türe, die offen steht. Hallo!? Er geht einen Schritt weiter in das Zimmer. Hallo?! Gibt es eine Leiche, wie im Tatort- da wird auch immer das Radio laut gedreht wenn wer getötet wird. „Haaallo!“ „Johäää!“ Eine alte Frau erwacht jäh aus ihrem Fernsehschlaf. „Könntens bitte den Fernseher leiser drehen. Jo? Danke“. Als Meuli wieder in seinem Zimmer ist, merkt er, dass die Alte am Gang stand und nach ihm sucht und schreit: „Nicht einmal Fernsehen darf ich mehr“. Auf jeden Fall war dann Ruhe. Bis Präsi etwas lauter atmete und träumte, er ist ein Motorrad. Da steckte sich Vize die Ohrstöpsel rein. Gut Nacht.

Tageskilometerleistung 375km.

 

8. Sept 2020, Tag 4 Weitra, Neustift a Walde, Rannatalsperre, Tuttendorf/Burghausen

Präsi und Vize als Erste beim Kaffeeautomaten als der Chef zu den beiden kam und berichtete, dass die Polizei da war und zwei unserer Mopeds umgeführt wurden. Der Kaffee wurde bei den Mopeds eingenommen. Die Bikes wurden einer ordentlichen Untersuchung unterzogen und einige Kleinigkeiten festgestellt. Die Leidtragenden waren Enzo und Inschinör. Der Bäcker hatte in der Früh die Bikes gestreift, und diese sind umgefallen. Er hatte auch gleich eine Selbstanzeige bei der Polizei gemacht. Eine Zeugin (um 05:30 Uhr) hatte die Autonummer aufgeschrieben. Super, in Schwechat oder Wien hätte das niemand interessiert. Das Frühstück war vom Feinsten. Die Polizeigeschichte war auch bald erledigt und so konnte es eigentlich losgehen. Wieder hart an der tschechischen Grenze entlang. Mitten in der Wiese sind wir stehengeblieben um die Reste der ersten öffentlichen Pferdeeisenbahn am europäischen Festland, die 1827 – 1836 gebaut wurde. (Budweis - Linz – Gmunden) zu begutachteten.

 

 

Im Guglwald bei Schönegg besuchten wir das Mahnmal zum Eisernen Vorhang. Koks schaffte um 11:18 Uhr seinen 70.000sten Kilometer auf seinem Bike. Bei Engelhartsstetten überquerten wir die erste Donaubrücke die die Donau in Österreich durchfliest. Das Nachbarland änderte sich auf Deutschland, der Grenzfluß ebenfalls. Jetzt lag der Inn neben uns. In St. Stephan im Walde haben wir Pause gemacht, wo eine ältere Frau bei uns vorbeikam und mit ihrem Gehstecken bei Güntas Bike anklopfte und schaute, ob die Kisten eh was aushalten. In Neustift im Mühlkreis haben wir getankt und holten uns einen Kaffee. Das Gebäude war früher ein Zollgebäude, die haben sogar noch Hafträume im Keller. Die Kellnerin war leicht überfordert mit der Bestellung von 6 Kaffee. „Ich bin erst kurz in Ö“…a Deitsche!) Beim Wegfahren sprang Julius der 1. Gang raus und beim Gasgeben bewegte sich das Bike nicht nach vorne sondern seitlich um. Ein Holzstoß beendete den freien Fall. Alles gut. In etwa 3 km Entfernung steht die Rannatalsperre,

 

die wir uns natürlich ansahen. Irgendwo auf einer kleinen Grenzstraße haben wir ein überfahrenes Hendl gesehen. Wir kennen ja bei uns nur überfahrene Igel, Rehe, Katzen, Füchse usw. aber ein totes Hendl hatt ma noch nicht. Koks schrie bei der nächsten Pause: „Blanche, sie haben Blanche getötet!“ Wir blieben bei einer Einfahrt stehen um eine Pause zu machen, als der Besitzer mit einem Prügel rauskam…. Gut, dass wir so freundlich und nett aussehen. Alles gut. Unser Endziel des heutigen Tages war Tuttendorf. Das liegt genau vis a vis Burghausen, dies ist aber bereits in Deutschlang. Nur getrennt durch den Inn, der unten im Tal durchfliest. Das Essen und Trinken war pipifein.

Tageskilometerleistung 370km.

 

 

9. Sept 2020, Tag 5 – Tuttendorf, Salzburg, Hochkönig, Saalbach

Wir blicken nach Deutschland. Sie ist weg! Die längste Burganlage Europas und der Welt mit einer Länge von 1051m ist verschwunden. The Fog, der Nebel des Grauens hat sich komplett verschluckt. Nach dem Frühstück satteln wir auf und reisen so hart an der Grenze wie möglich weiter. Genau bei 54.000 km auf Vizes Tacho reißt die Wolkendecke auf. Natürlich ist es hier nicht mehr so einfach, genau an der Grenze zu fahren, denn sie zieht sich hier schon oft mitten über den Bergkamm. Einziger Höhepunkt war, dass Inschinör sein erster Gang wie schon öfters, wieder raushüpft. In Grödig machten wir Pause und haben uns beim Fleischhacker niedergelassen aber trotz der enormen Versuchung widerstanden wir. Klar, kurz nach dem Frühstück haben wir nur Durst, also Kaffee mit großen Sozi. In Salzburg gibt es in der Moosstraße eine KTM Werkstatt. Wir beschlossen ihr einen Besuch abzustatten. Der Mechaniker war schnell und sehr freundlich. Bereits nach 10 min kam er wieder aus der Boxengasse. Julius war erfreut. Er hatte beim Tausch des Antriebssatz den Schalthebel so montiert, dass er nicht ordentlich einrastete und mechanisch anstand. Schnell die Kaffeekassa gefüllt und schon konnte es weitergehen. Bei der Burg Hohenwerfen und über den Dientner Sattel vorbei Richtung Hochkönig. Unser Endziel war Saalbach, der Skiort der sich heute wie ausgestorben präsentiert. Wir waren nach der Körperpflege beim ortsansässigen Türken auf eine Pizza, Spaghetti und Kebabteller. Nein, das ist kein Rechtschreibfehler, sondern der Türke hat es nicht so mit seiner eigenen Sprache. Der Absacker sollte in der Fußgängerzone genommen werden, aber da war alles geschlossen, wie in Mallorca im Winter.

Tageskilometerleistung 209km.

 

10. Sept 2020, Tag 6 Lofer, Wiadring, Kössen, Walchsee, Kufstein

Koks verlässt uns heute, denn sein Club, der MBC feiert am Weißensee sein 20-jähriges Bestehen. Wir drücken uns und wünschen sich gegenseitig viel Spaß und gasen an. Koks fährt am Ortsende gleich rechts anstatt uns nach. Er beantwortete am Navi ..“wollen sie zum Start der Route fahren?“ mit ja und schon stand er wieder vor dem Hotel. Die Lacher hatte er auf seiner Seite, als er nach 10 min. bei der Baustelle wieder hinter uns stand. Beim Kreisverkehr bog er dann richtig ab und somit waren wir nur noch zu fünft.

 

In Saalfelden rauf in die Berge, Wandererparkplatz und leider Fahrverbot. Wir können jetzt schon super umdrehen – in beide Richtungen. Also wieder hinunter auf die Bundestraße RichtungLofer. In der Seisenbergklamm – wieder eine Jimmystraße, weil: Fahrverbot. In einer Berghütte holen wir uns einen Kaffee. Nächste Möglichkeit rechts weg.

 

 

Es geht bergauf und bergauf. Fahrverbot für Radfahrer aber nicht für Bikes. Yes. Oben meinte ein Forstarbeiter, wir dürfen hier nicht fahren. Wir grüßten freundlich und fuhren weiter – der Schranken stand offen. Es geht weiter auf 1440m zur Loferer Alm. Wir kamen von oben und plötzlich steht unter uns das Soderkaserhaus. Herrliches Wetter, viele Leute, Wanderer vor allem staunten nicht schlecht als wir mit den Bikes von oben runterrollten. Kurz eingekehrt zu einer Speckknödelsuppe mit faustgroßen Knödeln die wir uns gönnten. Nach SoZi und Kaffee fuhren wir bergab weiter. Nach Ebbs und Kufstein wieder hinauf, eine Sonderrunde um den Thiersee und weiter bis Mariastein am Angerberg wo wir im Hotel Kraftquelle Schlossblick eincheckten. Nach 2 schnellen Bier duschen und zum Abendessen. Die Kellnerin Kathrin sehr freundlich brachte uns Steak und alles Mögliche mit Eierschwammerl. Sie zahlte auch dann noch eine Runde Birne. Es gab aber auch noch den Wildschönauer Krautiger. Ein Stamperl um 5.- stinkt nach Sauerkraut und schmeckt ähnlich. Ist aber aus Rüben gemacht. Auch weiße Stoppelrübe oder Wasserrübe genannt. Grauslich.

Einen Fastunfall der sich voll ausgezahlt hätte, sahen wir direkt vor uns. Ein Radfahrer fuhr ohne zu schauen vom Radweg auf die Bundesstraße wo gerade ein Auto fuhr. Der Spiegel des Auto flog der Radler zum Glück nicht, sehr knapp, pfuuh!

Tageskilometerleistung 240km

 

 

11. Sept 2020, Tag 7 –Kufstein, Kramsach, Pinegg, Schwaz. Innsbruck, Seefeld, Walchensee, Fernpass, Reutte, Bach, Hotel Schönauer Hof.

Wir starten den Tag wie immer, 0800 Frühstück. Dabei bemerkt Enzo im benachbarten Seminarraum wie eine Dame Plakatständer aufstellt, Massageliegen herrichtet und Handtücher bereitlegt. Selbst Masseur mit Ausbildung interessiert ihn das natürlich und er erkundigt sich was das wird. Die Dame ist recht auskunftsfreudig und erklärt ihm, welchen Kurs sie abhält „spezielle, australische Behandlung, die schneller wirkt als jede Massage…“ Nach dem Frühstück zusammengepackt und runter zu den Bikes. Dort kommt die Trainerin schon zum Enzo, weil sie von seinen Kreuzschmerzen gehört hat. Der Enzo ziert sich noch, wird aber dann überredet. Prack! Schon liegt er auf einem Massagetisch, umringt von der Trainerin und sechs Kursteilnehmerinnen, und wird behandelt. Was da gemacht wurde ist unbekannt, aber er meinte, dass das Kreuzweh besser geworden ist. Enzo hat nur eine Masseurin von der Aussprache gleich verstanden…“ eh kloa, i bin aus Ebergassing!“

 

 

Die Bundesstraße entlang desInntals, kurz zum Forstinger, des Präsis Airforce One braucht Öl. Weiter nach Innsbruck, wunderbare Bergstraße nördlich der Stadt gefunden! Weiter nach Zirl und auf die B177, an Seefeld vorbei, auf die L75 abgebogen und über Weidach, Platzl runter ins Inntal. Ab Telfs rauf zum Fernpass, viel Verkehr. In Reutte auf die B198 abgebogen und, weil wir zufällig vorbeifahren, rauf auf das Hahntennjoch und wieder retour. Wir machen Bilder der neu aufgestellten und höchst umstrittenen Fahrverbotstafeln für Bikes mit mehr als 95db Standgeräusch. Wir erreichen den Schönauerhof, jeder hat Hunger, bestellt entsprechend, aber zu viel.

 

12. Sept 2020, Tag 8 – Schönauer Hof, Warth, Hochtannberg, Schoppenau, Hittisau, Doren, Bregenz, Rankweil, Bludenz, Silvretta Hochalpenstraße, Ischgl, Landeck

Weiter Richtung Westen. Nach dem Hochtannberg kommt ein etwa 100m langer Gegenverkehrsbereich. Unser Fahrstreifen ist gesperrt, wir haben den roten Pfeil des Schilds „Wartepflicht bei Gegenverkehr“. Es kommt niemand und wir fahren in den Gegenverkehrsbereich ein. Kurz bevor der Inschinör das Ende erreicht kommt ein Auto auf den Bereich zugeschossen und derbremst es gerade noch um den Rest der Gruppe nicht wegzuräumen, war wirklich knapp…

 

Das Ländle ist gespickt mit Geschwindigkeitsbegrenzung, Radarboxen und starkem, langsamen Verkehr. An diesem Wochenende sind im ganzen Land Almabtriebe. Entsprechend sind die Straßen verstaut und übersät mit Kuhdreck, teils sehr frisch und rutschig! Wir sind froh auf die Silvretta Hochalpenstraße zu kommen. Beim Zwischenstopp in Carmens Imbiss in Schruns essen wir perfekte Burger, genial! Gleich nebenan endet ein Almabtrieb. Hier werden die Kühe auf Transporter verladen und zurück in den Stall gebracht, sehr interessant. Die Silvretta zeigt sich von ihrer besten Seite, schönes Wetter und kurvenreich!

 

Tageskilometerleistung 280km

 

13. Sept 2020, Tag 9 Kühtai, Landeck, Innsbruck, Zillertal, Gerlos, Krimmler Wasserfälle, Mittersill, Hotel Stubacher Hof.

Vize und Präsi haben so schlecht geschlafen wie den ganzen Urlaub noch nicht. Immer das Gefühl man liegt mit dem Kopf bergab und heiß im Zimmer. Dementsprechend haben sie in der Früh ausgesehen. Nach dem Frühstück zusammenpacken und Abfahrt. In Sautens im Ötztal stürmen wir den Bankomat der Raika. Jeder hebt ab, was er so braucht, denn wir müssen Schulden gegenseitig ausgleichen und die Bordkassa wieder füllen. Die Bergwertung wartet. Wir lassen uns auf das Kühtai gleiten.

 

 

Oben angekommen genießen wir das Panorama, machen Fotos und holen uns etwas zu trinken. (www.emailschilder.at). Ein Pickerl und Patch wird eingekauft ehe es bergab geht. Bei Innsbruck wollten wir eigentlich aufs Bandl um einige km zu machen, da hier ziemlich viel Verkehr ist. Doch ein Anruf auf Julius Handy machte ein Problem. Der Wirt, wo wir heute geschlafen haben rief an und sagte, dass er ein Sackerl mit Kabeln gefunden hat. Julius in Sorge: Jössas, das Notebook liegt auch unterm Polster. Na wurscht, der Wirt solls schicken. Rechts ran. Besprechung. Nein! Route, Fotos, Daten, alles drauf. Es wären nur 72 km am Bandl. Jeder weiß was kommt. Einer für alle, alle für einen. Wieder in Fließ angekommen kam uns der Wirt schon entgegen mit einem Sackerl Kabel, die eigentlich dem Enzo gehören. Und das Notebook? Eh eingepackt! Hihi, na wir fahren eh gerne. Wieder retour und bei der Abfahrt Zillertal runter. Da wirst wuggi, 70km nur ein Hunderter erlaubt IG-L. Präsi war recht sauer, er würde gerne den Politikern die den Schas beschlossen haben mit einem kleinen Hammer auf die Eier hauen. Wir machen auch aus dem ImmissionschschutzGesetz Land, die InteressensGemeinschaft Leberkäse. Gleich nach der Abfahrt sahen wir ein Kebapstandl. Supergroße Dürüm und Bosna. Alles wieder gut. Im Zillertal haben sie die Hauptstraße neu verlegt, mit Tunnels und allem. Schön zu befahren. Und jetzt rauf auf die Gerlos. Bei den Krimmler Wasserfällen vorbei und in Uttendorf im Hotel Stubacher Hof einquartiert.

Tageskilometerleistung 373km.

 

 

14. Sept 2020, Tag 10,Uttendorf (bei Mittersill [S]), Felbertauern, Lienz, Richtung Sillian, Lesachtal, Kötschach, so südlich an den Bergen wie es geht, Tröpolach, Nassfeld, Arnoldstein, Latschach, Martinihof (pipifein)!

Rauf auf den Felbertaueren. Präsi hat festgestellt, dass er hier noch nie gefahren ist. Die Tunneleinfahrt kannte er nicht. 7.- angeschrieben, 6 haben wir bezahlt. Lienz und weiter. Ein Offroadstück probiert, doch leider war nach 3 km Schluss, durch Schranken abgesperrt. Am Gegenhang kam vor einiger Zeit eine ordentliche Mure runter. Noch heute arbeiten sie an der Reparatur und Festigung des Hanges. Innerhalb kürzester Zeit braut sich in unseren Köpfen etwas zusammen, dass wir demnächst als Kurzfilm am Filmfestival in Cannes sehen werden. Angelehnt an die Ritter der Kokosnuss von Monty Python ist hier ein cineastisches Meisterwerk gelungen, eines Quentin Tarantino würdig.

 

Weiter die Lesachtalstraße und in einem „IchhabeallesShop“ einen Kaffee eingenommen und die MitarbeiterINNEN durchs Glas beobachtet und geblödelt. Die B111, in der Höhe, über Rumpelasphalt, hier dachten wir an unsere Bücklinge und Chopperfahrer, die hier aufgeschrien hätten. Wir erreichen Kötschach und fahren zwischen Gail und Karawanken am Hochwasserdamm und zeitweise auf der untenliegenden Schotterstraße. Wir verlassen das Gailtal bei Arnoldstein und beginnen Zimmer zu kontaktieren. Ausschau halten. Finden den Martinihof in Latschach. Ein Berglokal, dass man ohne Booking.com niemals finden würde. Auf die Schnelle lassen wir uns von Hubert, dem Chef des Hauses 3 Halbe bringen – für jeden. Mit einem Leichten in der Gladiole bewegen wir uns in den 2. Stock. Bist du deppat, der Stiegenaufgang ist steil. Die Zimmer sind schön und die Duschkabine noch mehr. Schnell abbaden und zum Nachtmahl. 3x Brettljause und 2x Schweinsbraten. Pipifein. Wir lassen uns gehen und beenden den heutigen Bericht genau hier. Wir verbrüdern uns noch mit den anderen kärntnerischen Gästen und lossns lei losn.

Tageskilometerleistung 271km

 

15.Sept 2020, Tag 11 Routenpause.

Latschach, Wurzenpass, Planica, Bled, Triglav Nationalpark, Wurzenpass, Latschach

Da wir für die Grenzlandtour gut in der Zeit liegen, haben wir beschlossen heute Grenzlandtourpause zu machen. Präsi nimmt ein Schädlwehpulver. Frühstück und starten zur Pausentour. Wir fahren in den Triglav Nationalpark in Slowenien. Über den Wurzenpass gleiten wir hinauf. Oben kurze Pause zum Tschick kaufen und dann runter Richtung Planica.

 

 

Wer das Skispringen im TV etwas verfolgt, sollte mit dem Namen etwas anfangen können. In der Skiflugarena gibt es insgesamt 9 Schanzen. Über die kleinste hätten sich Vize und Präsi auch getraut zu hupfen (Jo, genau!). Über Kranska Gora geht’s weiter. Wir biegen aber nicht rechts zum Vrsicpass ab, sondern wollen sich in Bled eine Cremeschnitte holen. Das Lokal hat aber zu und so rollen wir zum nächsten weiter. Alles gut, wunderbare Aussicht. Nach der Pause geht’s ins Gelände. Inschinör folgt seiner Route, die er auf seiner Offroadkarte geplant hat.

 

Die Offroad Challenge

Irgendwann stehen wir vor einer Weggabelung und kontrollieren die Route. „Ja, das ist eine Straße“ Glaubt man nicht, aber wenn es das Navi zeigt! Na gut, dann fahr ma weiter. Es geht kontinuierlich bergauf. Doch wenn es raufgeht, muss es auch wieder runtergehen. Na also, es geht wieder abwärts. Das hohe Gras macht den Weg unkenntlich, also absitzen und schauen. Bei der Begehung wurde auf einen Baumstumpf aufmerkam gemacht. Los geht’s, Gewand an, Helm auf und Erste. Während die ersten 3 gut runterkamen schnupfte Enzo mit dem Lenker. Quer nach rechts im Hohlweg, die Böschung rauf, Lenker verrissen, Gas gegeben und auch links auf die Böschung rauf, Enzos Adrenalinausschüttung lag bei 100%.

 

 

Die Augerl wie ein Basedowkranker, vorne am Visier. Gut, dass es zu war, sonst wären sie eventuell rausgefallen. Doch alles gut. Enzo bändigte die GS wie damals Charles Bronson einen wilden Stier. Nach ausleeren der Stiefel von der übermäßigen Adrenalinausschüttung, sehen wir am Gatter ein Schild: Warnung vor dem Hund! Bitte, wo ist da ein Hund? Während der weitere Weg begangen wird, kommen sie auch schon, die lieben Wauzies. Große, zottelige Hirtenhunde. Laut bellend,tobend, geifernd und in den Metallzaun beißend, machen sie auf sich aufmerksam. Enzo ist wegen der Hunde entspannt, er hat noch kein Blut in den Adern vom Ritt vorher. Der Weg wird als schwierig eingestuft – sehr schwierig.

 

Doch was solls, rauf geht’s nimmer. Die Lichtung wäre auch die Möglichkeit das Bike mit dem Hubschrauber auszufliegen. Inschinör fährt als Erster, es geht verdammt steil bergab. Der Weg ist geschmückt mit kopfgroßen losen Felsbrocken und weichen Untergrund. Mit genügend Abstand fährt Präsi hinterher. Es dampft ordentlich unter dem Gewand. Helmvisier offen, sonst würds gleich anlaufen. Vize fährt los. Dahinter Günta. Enzo macht das Schlusslicht. Julius atmet schwer und zieht Sauerstoff wie ein Apnoetaucher vorm Abtauchen. Präsi sieht wie die Kati vom Inschinör ordentlich bockt und ihn nach rechts abwirft. Präsi sucht sich einen Platz zum Anhalten, nicht so einfach bei dem Gefälle. Doch gefunden, Erste rein und abwürgen. Lotte steht, Präsi steigt ab, zieht sich aus und eilt zu Inschinör, dem es gut geht. Gemeinsam bringen sie die KTM in die Senkrechte und ohne Murrl den

Felsenweg hinunter Julius am Lenker die Bremse bedienen und die Kupplung langsam kommen lassen um zu verlangsamen, Präsi am Bürzel – Gleichgewicht halten und die flotte Kathi zurückhalten. Brrr, Kathi, brrr!

 

 

Währenddessen hat sich Vize oben ebenfalls hingelegt aber auf die linke Seite. Ebenfalls alles gut, Günter hat das für die Nachwelt filmisch festgehalten. Es kommen alle mit gegenseitiger Unterstützung gut in einem halbwegs geraderen Stück an und machen Pause. Ausziehen, ausdampfen. Wir haben ja alle den Weg doppelt genommen. Zuerst mit Bike und zu Fuß wieder rauf, um die anderen zu sichern. Nach Getränkeaufnahme und Adrenalingesprächen (Peter, der Trainer von Hechlingen wäre stolz auf uns, denn so einen Ritt gibt’s am ganzen BMW Gelände nicht. Und unser Freund Toni Marschall, der weltumreisende Biker hätte es wahrscheinlich nur einen müden Lächler gekostet)

 

Klackklackklack. Wos is jetzt? Die Kati springt nicht an, Batterie tot. Gedankenspiele: Supa, am Arsch der Welt. Einer fährt runter, holt von der zweiten Arschbacke eine neue Batterie und fährt das Ganze noch einmal. Wir werden wahrscheinlich im Wald übernachten, oder das Bike mit dem Hubschrauber ausfliegen. Frei nach Joes Bar Team: Wir krepieren alle! Doch Günta hat einen supercalifatischen

Netzadapter mit, mit dem er die Batterie der Kathrin aus Mattighofen wieder zum Starten bring. Das Adrenalin wird aus den Stiefeln geleert – wieder mal. Es geht wieder weiter – ein Waldwanderweg – anspruchsvoll doch nicht so halsbrecherisch wie zuerst. Als Julius über Funk sagt, dass ihm gerade ein Moped mit Fahrer ohne Helm bergauf entgegenkommt, lachen alle. „Jo, genau“. Doch das ist wirklich so, man glaubt es nicht – wo will der hin? Gut, andrerseits, der hätte auch nicht geglaubt, dass ihm hier 5 überschwere Maschinen bergab entgegenkommen. Günta hats ordentlich gerissen, als ihm der Mopedfahrer in einer unübersichtlichen Ecke entgegenkam, wie gesagt, er hat keinen Funk. Das nächste Tschocherl wird angefahren. 5x Sozi groß. Wir haben genug für heute vom Offroaden, immerhin haben wir für 1 km eine ganze Stunde gebraucht.

Die KTM wird wieder mit Strom versorgt und wir beschließen nach Villach zum Louis zu fahren um a) eine neue Batterie und b) Rockstraps für Präsi zu besorgen, denn er ärgert sich immer so mit seinem Gummispannnetz wenn er die Reiserolle anbringt. In Villach wird alles eingekauft und dann geht’s zurück nach Latschach. Das in der Früh bestellte Backhendl wartet bereits auf uns.

Tageskilometer 204 km.

 

16. Sept 2020, Latschach, Ferlach, Loiblpass, Ferlach, Eisenkappler Hütte, Bad Eisenkappel (Hochobir), Seebergsattel, Luschasattel, Soboth, Route 69.

Es sei kurz erwähnt, die KTM Batterie funktioniert einwandfrei – die alte wohlgemerkt. Wir machen noch Bilder fürs GAAS mit Hubert vom Tal der Gesetzlosen, der eigentlich Martin heißt, so wie sein Vater und dessen Vater, die schon seit Jahrzehnten den Martinihof bewirtschaften. Das ist aber eine ganz andere Geschichte. Die Grenzpässe wie Seebergsattel fahren wir nur hinauf bis zur Grenze und dann wieder hinunter. Am Loiblpass machen wir Bilder der Tscheppaschlucht und sehen uns die KZ Gedenkstätte an.

 

In der Route eingetroffen, gibt es erstmal die traditionellen Schüchaspritza. Martina lacht, als sie uns sieht, denn es klingt lustig. Kurz bevor Julius die Zimmer telefonisch bestellte, hat Geada angerufen, sie brauchen auch ein Zimmer. Helmut und sie sind auf Romantiktour. Sie trafen etwa eine Stunde nach uns ein. Tageskilometer 274 km

 

17. Sept 2020, Grenzlandtourpause

Route 69, Eibiswald, Schlossberg, Slowenien Landesstrasse 704 und 701 (Schotter), Dravograd, Radlpass, Route 69.

2. Pausentag. Julius spannt seine Kette. Wir folgen nicht unserer Route, nehmen aber die Grenzlinie mit. Klingt komisch, ist aber so. Wir starten wie immer nach dem Frühstück. Es ist etwas bewölkt und wir fahren in die Richtung woher wir gestern kamen und bogen bald zum Bankomat ab. Julius kommt drauf, dass die Kettenspannung seiner Kathi doch etwas zu stark ist, also dreht er mit Günta um und in der Route wird gelockert.

 

Die anderen kommen gleich nach. Start, der Zweite…wir fahren in die gleiche Richtung aus der wir….. und bogen bald Richtung Grenzlinie ab. Durch die Weinberge und Hopfenanlagen schlängeln wir uns an der Grenze von Slowenien entlang und in Sveti Duh überfahren wir sie. Wir sind schon Meister im Umdrehen und auch heute schaffen wir einige Umdreher, meist nachdem das Navi die Strecke anzeigte und es doch nur zu einem Bauernhof ging. Über zeitweise Schotterpisten geht’s bergauf und bergab. Der einzige Höhepunkt fahrtechnisch war ein Waldstück, wo es wieder mal steil nach oben ging. Gedanken wie vorgestern machten sich in manchen Köpfen breit. Aber mit Schwung waren wir gleich oben und über den Rest der Strecke gleich wieder auf Asphalt. Ein Supperl wäre nicht schlecht und so kehrten wir ein. Ein Bohneneintopf mit Speck und slowenischen Weißbrot vom Feinsten. Weiter wie gewohnt, der Radlpass steht noch an. Da lassen wir es krachen und schleifen die Fußrasten ab, ehe es wieder gemütlich in die Route 69 geht.

Tageskilometer 217 km.

 

 

18. Sept 2020, Route 69, Schlossberg, Bad Radkersburg, Dreiländereck A/H/SLO, Geschriebenstein, Lockenhaus, Lutzmannsburg, Deutschkreuz, Weppersdorf, Marz

Wir verabschieden uns von Martina, Silvia, Geada und Hömal. Für G&H geht’s nach Obertauern weiter bei deren Romantiktour. Gleich ums Eck ist der Schlossberg und ab hier gehts wieder auf Weinstraßen und Heurigenzufahrtsstraßerl bergauf und bergab. Wie schon im letzten G.A.A.S. beschrieben, fahren wir wieder die Landesstraße deren linke Seite in Ö liegt und die rechte Seite in Slowenien. Wir nähern uns dem nächsten und letzten Nachbarland unserer Tour – Ungarn.

 

 

Es gibt hier ein Dreiländereck, dass wir natürlich besuchen müssen. Dabei haben wir Glück gehabt, denn wir haben ein Fahrverbotsschild übersehen und sind eine steile Schotterstraße mit Querrinnen voll raufgebrettert. Da haben sie geschaut, die Wanderer. Als 5 Bikes aus dem Nichts beim Dreiländergedenkstein aus dem Wald sprangen wie sonst nur die Rehleins auf der Flucht vor den Jägern. Nach ein paar Fotos und einigen freundlichen Gesprächen mit den Wanderern sind wir wieder hinunter und weiter unsere Tour gefahren. Sämtliche große und kleine Grenzübertrittsstellen waren wegen der Abschottung Ungarns aufgrund Covid 19 geschlossen und verbarrikadiert. Der nächste Höhepunkt war der höchste Berg des Burgenlandes und Westungarns, der Geschriebenstein (884m) den wir mit Enthusiasmus abfrästen. Wer sich etwas auskennt weiß, dass die Burg Lockenhaus am Fuße dieses Bergmassivs liegt. Über Lutzmannsburg, Deutschkreuz und Weppersdorf kamen wir nach Marz, zum Hotelrestaurant Müllner wo bereits die Zimmer bestellt waren. Von außen schauts aus wie ein Dorfwirtshaus mit Zimmer. Aber innen wird’s immer größer, mit Garten, Innenhof und weiteres Hotel nach dem Hof. Das Essen ist pipifein, wir sitzen am Stammtisch in der Gaststube und vom großen Saal hört man die Selbsthilfegruppe „Zum Gesangsverein“ lautstark singen. 

Tageskilometer 297 km.

 

19 September Marz Dreiländereck Brücke von Andau Hainburg Schwechat

Wir starten bei bestem Bikewetter und beginnen den letzten Tag der Österreichrundfahrt. Neben der ungarischen Grenze nach Norden, so nah wie möglich an der Grenze kommen wir nach Mörbisch. Die Fähre an der Grenze zu Illmitz ist aber nur für Fahrräder da ein nicht unbeträchtlicher Höhenunterschied zwischen Fähre und Festland besteht ist die Überfahrt nur für Fahrräder gestattet. Also müssen wir rund um den größten europäischen Steppensee herumfahren. Rauf bis Neusiedl und wieder runter bis Illmitz, Pamhagen, Andau.

 

Den Unwissenden ist die Brücke von Andau nicht bekannt. Doch wer etwas geschichtsinteressiert ist, oder Bockerer 3 gesehen hat, weiß, das 1956 hier mehr als 70.000 Ungarn über die Brücke die über den Einser-Kanalführt, nach Österreich flüchteten. Die unbedeutendste Brücke Österreichs war 1956 für kurze Zeit die wichtigste der Welt. Wir machten Bilder reden mit Wanderern und bereiten uns auf den letzten Teil der Reise vor. Über Halbthurn, Nickelsdorf und Deutsch Jahrndorf, teils über Schotterpisten ändert sich wieder der Nachbarstaat von Ungarn auf Slowakei.

 

In Hainburg holten wir uns noch einen Kaffee beim Naglreiter ehe wir den letzten offiziellen km fuhren. Am Kreisverkehr, wo sich quasi der Kreis schloss haben wir noch Abschlussfotos gemacht.

Das war der Bericht über die erste Österreichumrundung, so hart an der Grenze wie möglich und erlaubt, gegen den Uhrzeigersinn, den je Biker gefahren sind.

Weitere Informationen, Daten seht ihr unten.

 

12 Tage

4200km  Ohne den Rasttagen: effektive Rundfahrt an den Grenzen entlang: (3579km)

1003 Fotos (Präsi)

Minus 217 Route 69, minus 204 Nationalpark, minus 200 füe Casa Prüger gesamt minus 621km,

 

Erklärungen für die nicht Insider oder deutschen Leser:

Eierschwammerl             Pfifferlinge

Jimmygasse                   Insiderschmäh aufgrund der Aussage von Jimmy…“wos den gaunzn Schas miass ma wieda zruck!?“

Schmäh                        im Norden Deutschlands völlig unbekannt, auch mit östlichen Nachbarlandgastarbeitern die eigentlich ziemlich gut deutsch sprechen nicht anwendbar.

Schas                           Flatulenz

SoZi                             Soda Zitron       Wasser mit Kohlensäure aufgesprudelt.

Jössas                          mit leichten Angstzuständen Anrufung des Gottessohnes

Polster                          Kissen, wo man den Kopf zum Schlafen ablegt.

Bandl                            Autobahn

Sackerl                         Weiche Einfüllumhüllung für diverse Sachen um sie zu schützen oder zu tragen

Wuggi                           verwirrt

Bücklinge                      Yoghurtbecherfahrer

Yoghurtbecher              Straßenbike, mit dem man in gebückter Haltung fährt

Krügel oder Halbe          Trinkglas mit einem Nennwert von 0,5 Liter Bier

Leichter in der Gladiole  Damenspitzerl

Damenspitzerl               Angenehmes Schweregefühl ohne Sprachaussetzer

Schädlwehpulver            Kopfschmerztablette4

Tschick                         Glimmstengel / Zigarette

schnupfte                     angefahren, hineingesprungen, kollidiert

Murrl                            Motor

Supercalifatisch            toll und nicht zu glauben

Schücha                        Schilcherwein, steirisches Nationalgetränk

G.A.A.S-                       Clubzeitung des MRC Schwechat

Der Bockerer                 Österr. Film von Franz Antel mit Karl Merkatz