In der Serie: „Was machen die Echt’n wenn sie nicht die Echt’n Kutte anhaben?“ Bringen wir heute:
Varsovan liitton moottorikerho oder: Katanas Ostblockrennen


Anfang Juli 2007 hat es mich zum insgesamt 3. Mal zum "Poronpurijaiset", dem jährlichen Motorradtreffen des Karu-MC am Polarkreis in Finnland gezogen. Im Rahmen dieses Treffens findet auch immer ein Rennen des "Varsovan liitton moottorikerho", auf Deutsch des "Warschauer Pakt Motorrad Clubs" statt. Was sich anhört als wäre das eine Vereinigung von Altkommunisten im Rentierpelz, ist leicht erklärt: Es wird in dieser, (6 jährliche Rennen umfassenden) Serie, ausschließlich mit Fabrikaten aus Ländern des ehemaligen Ostblocks gestartet, also hauptsächlich Jawa, CZ, Pannonia, MZ usw. Es darf nur klassisches Tuning betrieben werden, alle dazu verwendeten Teile müssen aus der Zeit der Produktion des betreffenden Modells kommen. Das Ganze wird sehr ähnlich wie die Mofarennen in hiesigen Breiten mehr zur Belustigung, als zum sportlichen Wettbewerb betrieben.

 


Die Rennserie umfasst je ein Rennen im Jahr in folgenden Disziplinen: Enduro, Hillclimb, Dragrace, Trial, Eisrennen und Sandbahn. Nachdem ich schon 2003 das Vergnügen hatte, beim Trail teilzunehmen war dieses Jahr das Beschleunigungsrennen dran. Wie schon beim letzten Mal stellte Jalli leichtsinnig seine 125er-CZ in perfektem Renntrimm zur Verfügung. Die Strecke hat allerdings mit der klassischen 1/4 Meile wenig gemeinsam. Knappe 100 Meter auf lockerem Waldboden, nicht ganz gerade und noch weniger eben, aber eine ordentliche Bremszone und ein ordinäres Gummibandl als Startmaschine - mehr braucht`s aber auch nicht! Gestartet wird in zwei Klassen: bis 175cm³ und über 175cm³. Die Vorläufe werden gemischt gefahren, daher hab ich auch ein paar der „schweren“ Eisen nach allen Regeln der Kunst verheizt. Leider war bei den Kleinen der amtierende Vorjahresmeister mein einziger Gegner.

Nachdem aber eben nur 2 Starter gemeldet waren, konnte ich nach 4 Läufen und einem abschließenden
Stechen mit dem 2. Platzwieder einmal
einen Podestplatz erringen! Nach dem Renngeschehen ist das Ganze klarerweise nahtlos in ein klassisches Motorradtreffen nordischer Prägung übergegangen. Immer wieder ein Genuss sind die Gaumenfreuden der finnischen Küche die unter der Mitternachtssonne zubereitet werden, ebenso wie die für uns geradezu unglaubliche Disziplin aller Gäste. Keine Dränglerei beim Essen Fassen, keine Wickel und keiner der am nächsten Morgen den Heimweg antritt ohne vorher zwecks Selbstkontrolle noch einmal ins Röhrl geblasen zu haben (bei der Tariftabelle der finnischen Polizei kein Wunder ☺ ). Nachdem bei diesem in Skandinavien obligatorischem Test fast alle ihre eigenen Rekorde gebrochen haben, wurde mir ein besonderes Vergnügen zu Teil: Das neueste Geschoss  von CanAm (Zweiradmarke von Bombardier), der „Spyder“, ein verkehrt herum zusammen gebautes Trike, war gerade auf Promotions-Tour durch Finnland. Zu diesem Zweck stand einer der 3 weltweit verfügbaren Prototypen beim Treffen zum Probe fahren zur Verfügung. Die Schüssel musste aber Sonntagmittag wieder im 40km entfernten Werk zurück gebracht sein. Da ich der einzige noch freie Fahrer war, der den Alkomat-Test bestanden hatte wurde ich mit der Überstellung beauftragt. Als einer der ersten Spyder-Tester Österreichs kann ich euch folgendes berichten: wer gern mit Snowmobilen herum wetzt kann dem Klimawandel beruhigt entgegen sehen! Das Ding fährt sich, auch auf festem Untergrund, exakt gleich wie ein Skidoo, reißt genauso infernalisch an und bremst vorm Eissalon jedes chromblitzende Bike aus. Wer also 20 Tausender über hat kann seit ein paar Monaten so ein Geschoss ordern und wird sein Freude damit haben ☺


Wer mehr wissen will: www.tornadoracingteam.at und auf Youtube gibt’s auch ein paar Videos vom Dragrace (einfach nach „tornadoracingteam“ suchen). Wer finnisch kann, der kann auch
hier rein schaun: www.varsovanliitto.com . -Katana